Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden

Bilderbücher sind uns allen ein Begriff – Wie viel Theorie hinter deren didaktischem Aufbau steckt, allerdings ganz und gar nicht! Diese Wissenslücke füllt für uns Lukas Dodeschal. Nach seinem Grundschullehramtsstudium betrachtet er nun in seiner Promotionsarbeit das Verhältnis von Fiktion und Metafiktion in Bilderbüchern und die Auswirkung davon auf Grundschüler. Kinder entdecken schon sehr früh die eigene Fantasie, so wird beispielsweise der Holzklotz zum Auto. Allerdings ist die Metafiktion, also das sich selbst der Fiktion des Geschehnisses bewusst werden, ein viel komplexerer Schritt. Lukas stellt die These auf, dass der bewusste Bruch mit der Fiktion und das Einbauen von metafiktionalen Elementen in Kinderbüchern dazu führen kann, dass Kinder besser lernen wie sie Texte abstrahieren – Eine wichtige Kompetenz im Zeitalter der Informationsflut.

Instrumentalisierung von Armut?!

Unser Gast Nikolaus Pawlitzki hat seine erziehungswissenschaftliche Masterarbeit dem Thema Wohlfahrtsverbänden gewidmet, genauer gesagt der Selbstdarstellung und Inszenierung dieser Verbände im Gefüge der deutschen Sozialpolitik. Dafür beschäftigte er sich mit den Armutsberichten des Paritätischen Gesamtverbandes auseinander und gelangte bei Betrachtung der Reaktionen der Medien und der anderen Wohlfahrtsverbände zu spannenden Erkenntnissen über das Verhältnis von Wohlfahrt und Öffentlichkeitsarbeit. Denn so viel sei gesagt: Der Armutsbericht berichtet nicht nur sachlich, sondern erfüllt noch weitere Funktionen.

Hallo, ich bin Barbados!

Die United Nations (UN) wurden nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, um die Welt vor einem weiteren verheerenden Krieg zu schützen und die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Um einen tieferen Eindruck in die Arbeit der Diplomatinnen und Diplomaten in dieser Organisation zu erhalten, bietet sich eine Teilnahme bei der größten UN-Simulation an - dem National Model United Nations (NMUN). Pia und Lewis gehörten zur ersten halleschen Delegation, die letztes Jahr an dieser UN-Simulation teilnahm. Das fünftägige Planspiel findet jährlich im UN-Hauptquartier in New York statt und ist sehr stark an den tatsächlichen Strukturen und Hierarchien der Vereinten Nationen orientiert; es wird debattiert, verhandelt und nach Lösungsansätzen für aktuelle Probleme gesucht. Dabei vertreten die Delegationen ein Land, auf das sie sich vorher beworben haben. Die halleschen Studierenden übernahmen hierbei die Rolle der Delegation des karibischen Inselstaates Barbados. Wie sie sich darauf vorbereitet haben, welche Erfahrungen sie im Planspiel gemacht und wie sie im „diplomatischen Wettbewerb“ abgeschnitten haben, erzählen sie in dieser Podcast-Folge.

Staat und Religion trennen

Die Judaistikerin Anne-Sarah Fiebig spricht mit uns über Jeschajahu Leibowitz, einen der bekanntesten zeitgenössischen jüdisch-orthodoxen Philosophen, aktuelle innenpolitische Spannungen in Israel und über die jüdische Kultur.  Jeschajahu Leibowitz wurde 1903 in Riga geboren und wirkte bis zu seinem Tod 1994 in Jerusalem als orthodoxer Jude, Naturwissenschaftler und Philosoph kritisch an der Entwicklung eines modernen Israels mit. Insbesondere fiel Leibowitz durch seine Forderung nach einer strengen Trennung von Staat und Religion auf, die in der orthodoxen Gemeinschaft auf starke Gegenwehr stieß. Laut Leibowitz wird die jüdische Religion zur Legitimierung politischer Maßnahmen missbraucht, weshalb er - um Staat und Religion voreinander zu schützen -  dafür plädiert die Sonderstellung der Religion abzuschaffen. Damit sie eine Zukunft habe, müsse die Religion Privatsache bleiben.  Doch die gesellschaftliche Realität in Israel ist heutzutage eine andere. Der zunehmende politische Einfluss der Orthodoxen führt zu Konflikten mit dem jungen, liberalen Einwohnern - viele empfinden die aktuelle Situation als sehr ungerecht und fordern nach mehr Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung. Ein Einblick in die spannende israelische Kultur und Innenpolitik dieser Tage.

Für die Demokratie kämpfen

In dieser ersten Folge des Podcasts führt uns der Politologe Alexander Kubis in die vergleichende Demokratieforschung ein. Die demokratischen Systeme in den verschiedenen Ländern weisen teilweise erhebliche Unterschiede auf. Daher stellt sich die Frage nach einer Methode für den Vergleich und die Bewertung der Systeme. Grundlegend ist hierbei die Unterscheidung von Konsens- und Mehrheitsdemokratien sowie von repräsentativen und direkten Demokratieformen. Dabei handelt es sich hierbei nicht um exakte Einteilungen, vielmehr existieren viele Mischformen zwischen den Extremen. In seiner Arbeit hat Alexander Kubis sich insbesondere auf die Performanz der politischen Systeme als Vergleichskriterium konzentriert. Die Perfomanz beschreibt die "Leistungsfähigkeit" eines demokratischen Systems, diese kann grob unterteilt werden in die wirtschaftliche Effizienz und die Partizipation, also die gelebte Teilhabe an der Demokratie. Hier stellt sich nun die Frage, wie sich die unterschiedlichen Leistungswerte sich auf das Wechselspiel zwischen Bevölkerung und politischem System auswirken - dies hat Alexander anhand verschiedener Fallstudien genauer untersucht.